District

Stadtteilprofil Wittenberg

Den Ort entdecken, historische Zahlen vergleichen und seinen Geschichten folgen.

Den Ort im Stadtgebiet einordnen

Den Stadtteil entdecken

34 Forschungsprofile. Einwohnervergleich: städtisches Melderegister, 2013 und 2019. Eine Fläche führt zum jeweiligen Profil.

Bestand und Entwurf

Entwicklung weiterdenken

Entwurfsstudien aus dem Archiv eröffnen konkrete Fragen an diesen Ort. Das aktuelle Kartenmodell hilft, Wege, Ziele und räumliche Beziehungen zu untersuchen.

Städtische Statistik

Der Stadtteil in Zahlen

2.110Einwohner · 2019
86,80 haFläche · 2019
-105Einwohner · 2013 bis 2019
Alle Jahrgänge und Quellen vergleichen
Analytics
  • Einwohner: 2.110 im Jahr 2019, auf einer Fläche von 86,80 ha ≙ 24,31 Einwohner / ha
  • Einwohner: 2.135 im Jahr 2016, auf einer Fläche von 86,80 ha ≙ 24,60 Einwohner / ha
  • Einwohner: 2.215 im Jahr 2013, auf einer Fläche von 86,80 ha ≙ 25,52 Einwohner / ha

Einwohner mit Hauptwohnung laut städtischem Melderegister, Stichtag jeweils 31. Dezember. Die statistische Bezirksfläche von 2019 dient für alle drei Dichteberechnungen als fester Nenner; ältere Bezirksgrenzen können abweichen. Städtischer Bericht 2013/2014, Tabelle 1, S. 7 (2013) · Statistisches Jahrbuch 2019, S. 12 (Fläche), S. 19 (2016 und 2019).

Historische Stadtteilwerte aus dem städtischen Einwohnermelderegister. Der jüngste hier vorliegende Stadtteilwert stammt von 2019.

Ein besonderer Ort

Kirchen und Baukultur

Hier treffen Baugeschichte und Erinnerung aufeinander. Entdecken Sie die überlieferten Geschichten dieser Orte.

Church

Die Stadtkirche St. Marien wurde 1187 erstmals urkundlich erwähnt. Der heutige Bau entwickelte sich seit dem 13. Jahrhundert. Als Predigtkirche von Martin Luther und Johannes Bugenhagen wurde sie zu einem wichtigen Ort der Reformation. Quelle: Stadt Wittenberg.

Am 25. Dezember 1521 feierte Andreas Bodenstein von Karlstadt in Wittenberg einen reformatorischen Gottesdienst mit deutschsprachigen Teilen und Abendmahl unter beiderlei Gestalt. Davon zu unterscheiden ist Luthers 1526 veröffentlichte Schrift „Deutsche Messe und Ordnung Gottesdiensts“. Quellen: Karlstadt-Edition, KGK 210; Einordnung zu Luthers Messe, KGK 275. Besonders hervorzuheben ist die Hochzeit von Martin Luther und Katharina von Bora, deren Trauung 1525 im Schwarzen Kloster stattfand; der öffentliche Gottesdienst folgte in der Stadtkirche (LutherMuseen). Diese Hochzeit wird heute jährlich mit einem Stadtfest gefeiert und zeugt von der tiefen Verwurzelung der Reformation in der lokalen Kultur und Geschichte.

Im Inneren der Kirche finden sich bedeutende Kunstwerke, die die Reformationszeit widerspiegeln. Dazu gehört der Reformationsaltar, geschaffen von Lucas Cranach d. Ä. und d. J., der Martin Luther und andere Reformatoren darstellt. Auch das Taufbecken von Hermann Vischer und die originale Predigtkanzel von Luther, die im Lutherhaus ausgestellt ist, zeugen von der künstlerischen und historischen Bedeutung der Stadtkirche St. Marien.

Die Schlosskirche in Wittenberg zählt zu den bedeutendsten historischen Stätten Deutschlands und spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte der Reformation. Diese beeindruckende Kirche, die ursprünglich Teil des Wittenberger Schlosses war, beherbergt die berühmte Thesentür, die mit der Überlieferung des Thesenanschlags von 1517 verbunden ist (LutherMuseen). Diese Thesen markierten den Beginn einer religiösen Revolution, die nicht nur die Kirche, sondern auch die ganze Gesellschaft veränderte.

Neben der Thesentür ist der Schlossturm ein weiteres Augenmerk. Dort finden wir die Inschrift Luthers: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“ (Zitat aus Luthers Kirchenlied, ca. 1529, später hinzugefügt), die sowohl den Glauben als auch die Widerstandskraft der Reformation symbolisiert. Im Inneren der Kirche befinden sich die eindrucksvollen Grabstätten von Luther und Philipp Melanchthon, einem weiteren wichtigen Reformator. Die Wandpfeiler sind mit Statuen von neun bedeutenden Persönlichkeiten der Reformation geschmückt, die deren Geschichte lebendig werden lassen.

Schlosskirche und Stadtkirche gehören seit 1996 zu den Luthergedenkstätten des UNESCO-Welterbes in Eisleben und Wittenberg. Quelle: UNESCO.

Historische Quellen · geprüft am 11. Oktober 2026

Thesenanschlag von 1517: Zeugnisse und Belege

Am 31. Oktober 1517 schrieb Martin Luther an Erzbischof Albrecht von Brandenburg über den Ablass und verwies auf beigefügte Thesen. Der Brief ist erhalten, seine ursprüngliche Beilage nicht. Dieser Schriftwechsel ist von der Frage zu unterscheiden, ob die Thesen öffentlich angeschlagen wurden. [1]

Philipp Melanchthon berichtete in seiner 1546 veröffentlichten Vorrede zum zweiten Band der lateinischen Lutherwerke, Luther habe die Thesen am Tag vor Allerheiligen 1517 öffentlich an der Kirche neben dem Wittenberger Schloss befestigt. Die Stelle nennt weder eine Tür noch einen Hammer. Melanchthon war kein Augenzeuge: Er kam erst 1518 nach Wittenberg. [2, 4]

Georg Rörers handschriftliche Notiz nennt die Türen der Wittenberger Kirchen im Plural. Sie steht in einem 1540 gedruckten Neuen Testament, heute in der ThULB Jena, Ms. App. 25, Blatt 413r. Das Schreibjahr der Notiz ist nicht gesichert. Martin Treu vermutet ihre Entstehung im November 1544 zum Abschluss der Revisionsarbeiten. Das ist eine Datierungsvermutung, nicht das Druckjahr. Auch Rörer war kein Augenzeuge. [3, 4]

Was lässt sich daraus feststellen?

Die Texte belegen, dass über einen Thesenanschlag rückblickend berichtet wurde. Ihre Beweiskraft für ein Ereignis am 31. Oktober 1517 wird unterschiedlich bewertet: Treu hält den Anschlag durch Rörers Notiz für wahrscheinlicher. Volker Leppin deutet die Berichte als Teil der späteren Wittenberger Erinnerung und bezweifelt die Historizität des Ereignisses. Der erhaltene Brief, die späteren Zeugnisse und diese Forschungspositionen werden hier deshalb getrennt ausgewiesen. [1, 4, 5]

Quellen und genaue Fundstellen

  1. Mathis Leibetseder, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz: Der kurfürstlichen Thesendruck, 2017.
  2. Philipp Melanchthon, Vorrede zum zweiten Band der lateinischen Lutherwerke, 1546. Text in Corpus Reformatorum 6 (1839), Sp. 161–162. Moderne Edition: Melanchthons Briefwechsel, T 15 (2014), Nr. 4277; Leseprobe, Vorwort S. 7, zum Editionsnachweis und Veröffentlichungsjahr.
  3. Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena: Georg Rörer, Notizen, Ms. App. 25, Blatt 413r. Katalog des gedruckten Bandes: Das Newe Testament, Wittenberg 1540.
  4. Martin Treu: An den Türen der Wittenberger Kirchen. Datierungsvermutung und Bewertung der Zeugnisse.
  5. Volker Leppin: 31. Oktober 1517: Der symbolische Anfang der Reformation und die lutherische Festkultur, S. 55–58, besonders S. 56 zu beiden Zeugnissen und S. 57–58 zu ihrer Einordnung.

Vertiefung

Geschichten des Stadtteils

MEILENSTEINE der Stadtenticklung

  • 1865: Aufstellung des Melanchthondenkmals auf dem Marktplatz.
  • 1830: Neupflanzung der Luthereiche als Erinnerung an die Verbrennung der päpstlichen Bannbulle durch Luther.
  • 1821: Enthüllung des Lutherdenkmals auf dem Marktplatz.
  • 1600: Errichtung des in Betrieb befindlichen Jungfernröhrwassers, eines historischen Wasserleitungssystems.
  • Mitte der 1580er Jahre: Errichtung des Augusteums als Vorderhaus des ehemaligen Augustinerklosters. Quelle: Tourist-Information Wittenberg.
  • 1541: Fertigstellung des Rathauses, dessen Portal 1573 hinzugefügt wurde.
  • 1503/04: Errichtung des Collegium Fridericianum als erstem Universitätszweckbau. Quelle: LEUCOREA.
  • 1502: Gründung der Universität „Leucorea“ Wittenberg durch Kurfürst Friedrich III. („der Weise“).
  • 1187: Erste urkundliche Erwähnung der Stadtkirche St. Marien. Ihr Reformationsaltar von Lucas Cranach d. Ä. und d. J. wurde 1547 aufgestellt. Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz.
  • 1187: Erste Erwähnung der Burg, später umgebaut zur Schlosskirche mit der berühmten Thesentür und den Gräbern von Martin Luther und Philipp Melanchthon.
    • 1529: Luther verfasst das Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Eine bekannte Passage lautet: „Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen.“

Die Altstadt ist geprägt von einer markanten trichterförmigen Struktur, die sich durch die fortlaufenden Besucherströme aus dem In- und Ausland stetig verändert. Ihr mittelalterliches Flair, eingebettet in eine weitgehend erhaltene Stadtkulisse zwischen Romanik, Frühgotik und Renaissance, macht das historische Zentrum zu einem idealen Ort für besondere öffentliche Veranstaltungen.

Historisch betrachtet spielte die Gründung der Universität Wittenberg am 18. Oktober 1502 auf Betreiben von Kurfürst Friedrich III. ("der Weise") eine entscheidende Rolle in der Stadtentwicklung. Renommierte Persönlichkeiten wie Martin Luther und Philipp Melanchthon lehrten hier, was zu einem sprunghaften Anstieg der Bevölkerungszahl und zur überregionalen Bedeutung der Stadt führte.

LEUCOREA Universität zu Wittenberg

Aristoteles philosophische Ausrichtung, dass das theoretische Wissen um seiner selbst willen gesucht wird, bildet das Fundament der Leucorea. Der Name steht im Zusammenhang zum Stadtnahmen, indem er von dem griechischen Begriff "weißer Berg" abgeleitet ist. [1]

Die Schilderung der jungen Universität ist von einer Auseinandersetzung durchzogen, der Kampf zwischen der alten scholastischen Wissenschaftstradition und dem neuen Humanismus. [2]

Scholastik, abgeleitet vom lateinischen Adjektiv scholasticus („schulisch“, „zum Studium gehörig“), ist die wissenschaftliche Denkweise und Methode der Beweisführung, die in der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters entwickelt wurde. [3] Die methodischen Verfahrensweisen der beiden großen Richtungen der mittelalterlichen Scholastik, des Realismus und des Nominalismus, werden als via antiqua, via moderna bezeichnet.

Die Wittenberger Universität war bei ihrer Gründung von der Scholastik beherrscht. In der Theologie wurde vor allem die Auslegungsmethode des Thomas von Aquino (gest. 1274) und des Johannes Duns Scotus (gest. 1308) verwendet, die zusammen die so genannte „via antiqua“ (d. i. alte Methode) bildeten. Luther erhielt in Erfurt eine andere Ausbildung, die sich an Wilhelm von Ockham (gest. 1347) und Gabriel Biel (gest. 1495) orientierte; dies war die so genannte „via moderna“ (d. i. neue Methode), die den Geltungsbereich der menschlichen Vernunft in Fragen des Glaubens und des Übernatürlichen einschränkte. Die Lehrweise der via moderna wurde in Wittenberg an der Theologischen Fakultät 1507 durch den Erfurter Jodocus Truttvetter eingeführt.

Sosehr sich die Anhänger der beiden Schulen gegenseitig bekämpften und soweit sie sich auch im einzelnen unterschieden, beiden gemeinsam ist die philosophische Ausrichtung an Aristoteles, der nur in seiner mittelalterlichen, aus dem arabischen überlieferten Gestalt bekannt war. Ebenso war ihnen das spätmittelalterliche Latein gemeinsam, das seit den Zeiten der Antike eine lange Entwicklung durchgemacht hatte, die von den Humanisten als Verfall begriffen wurde. [2]

1. https://de.wikipedia.org/wiki/Leucorea
2. Andreas Meinhardi, 1986, Über die hochberühmte und herrliche Stadt Wittenberg S. 16-17, Reclam
3. https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastik